
RZ-Thema sprach über den Einsatz von Naturheilverfahren bei Hauterkrankungen mit Experten der Hufeland-Klinik Bad Ems.
Warum spielen aus Ihrer Sicht Naturheilverfahren bei Hauterkrankungen eine große Rolle?
Bei Hauterkrankungen handelt es sich oftmals um chronische Erkrankungen. Dies erfordert aber eine oft über Jahrzehnte anhaltende Therapie. Mit der Dauer der notwendigen Behandlung steigt aber auch das Risiko von unerwünschten Nebenwirkungen. Die Suche nach möglichst nebenwirkungsarmen naturheilkundlichen Alternativen bei Hauterkrankungen ist daher verständlich und berechtigt.
Bei welchen Hauterkrankungen bietet sich der Einsatz von Naturheilverfahren an?
Naturheilkundliche Maßnahmen bieten sich bei allen chronischen Hauterkrankungen an. Zugleich handelt es sich dabei um Erkrankungen, die nicht die Haut alleine sondern den ganzen Menschen betreffen. Eine deutliche Verbesserung wird man erst dann spüren, wenn man auch die Begleitumstände wie den Stoffwechsel einschließlich eines möglichen Diabetes, das Gewicht, den Umgang mit Stress und Genussmitteln, den Schlaf und andere vom Nervensystem gesteuerte Funktionen in gebührendem Umfang berücksichtigt und in einen Therapieansatz mit einbezieht. Hinzu kommt, dass die Haut in weiten Teilen ein für alle Menschen der Umgebung sichtbares Organ ist und Veränderungen daher auch seelisch stark belastend sein können. Auch das muss man bei der Therapie berücksichtigen.
Welche Naturheilverfahren kommen zur Anwendung?
Zum einen kommen je nach Befund und im Vordergrund stehenden Beschwerden alle Verfahren der Physiotherapie zum Einsatz - also zum Beispiel Bäder, Wärme und Kälte, Elektrotherapie, Reflexzonenbehandlungen, bei Gelenkbeteiligungen auch Krankengymnastik und ähnliche Verfahren. Hinzu kommen klassische Lichtbehandlungen in einer speziellen UV-Kabine. Gezielte ernährungstherapeutische Interventionen einschließlich des Heilfastens und einer Darmsanierung werden oft eingesetzt. Bei Bedarf werden Entspannungstechniken und psychologische Gespräche angeboten. Pflanzliche Mittel, manchmal auch die Akupunktur ergänzen das Spektrum. Bei schweren Verlaufsformen reicht das aber oft nicht aus. Dann tritt eine besondere naturheilkundliche Therapieform, die sogenannte Ordnungstherapie, in den Mittelpunkt der Behandlung. Hierbei werden von dem behandelnden Arzt insbesondere die Wechselwirkungen zwischen der Lebenssituation und dem Krankheitsbild betrachtet.
Heißt das, man kann auf so genannte "schulmedizinische" Ansätze verzichten?
Selbstverständlich kommen "schulmedizinische" Präparate bei uns zur Anwendung. Zum Team zählt auch eine schulmedizinisch und naturheilkundlich erfahrene Hautärztin, denn die Beurteilung einer Hauterkrankung braucht viel Wissen und Erfahrung und es ist mit der Diagnosestellung nicht getan.
Wie kommt man zu Ihnen in die Klinik? Werden die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen?
Zunächst einmal gehen wir von einer stationären Behandlungsbedürftigkeit aus, die in der Regel dann gegeben ist, wenn der Hausarzt beziehungsweise der behandelnde Hautarzt mit seinen Möglichkeiten nicht mehr zurecht kommt. In diesen Fällen reicht eine ganz normale Krankenhaus-Einweisung aus, eine spezielle Genehmigung durch die Krankenkasse ist nicht erforderlich. Rechtlich gesehen handelt es sich um eine übliche Krankenhausbehandlung. Die Kosten übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen.
Quelle: Mit freundlicher Genehmigung übernommen von: Rhein-Zeitung, rz-thema 2/2010 vom 29.05.2010, S. 10

Barbara Werder
Kaufm. Direktorin
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